Die Orgel aus dem Jahr 1974

Ems Zeitung 12.1. Seite 17
Nach mehr als 43 Jahren wird die Orgel der Papenburger St.-Antonius-Kirche noch in diesem Jahr aus dem Gotteshaus ausgebaut. Sie steht für 34500 Euro im Internet zum Verkauf.

Von Mirco Moormann und Hermann-Josef Döbber

Papenburg. Die Walcker-Orgel, die derzeit noch am Niederrhein aufbewahrt wird, soll im kommenden Jahr in das Papenburger Gotteshaus integriert werden. Bevor das neue Instrument samt Nebenorgel (Fernwerk) auf dem Chorboden eingebaut werden kann, muss die alte Orgel raus. Das soll, so teilt es Pfarrer Franz-Bernd Lanvermeyer mit, bis zum Sommer passieren. Denn bevor die neue Orgel eingebaut wird, müssen alle Arbeiten, die Staub und Dreck verursachen, abgeschlossen sein. Dazu zählt auch die Vergrößerung des Orgelbodens.
Wer Interesse an der Orgel hat, kann sie sich im Internet beim Orgelhändler Ladach unter ladach.de genauer ansehen. Das Instrument umfasst 26 Register und 1871 Pfeifen. Sie ist 1957 von der Firma Ernst Brandt in Quickborn für die katholische St.-Joseph-Kirche in Hamburg-Wandsbek gebaut worden. Der Ankauf des nahezu neuwertigen Instrumentes 1973 durch den Kirchenvorstand von St. Antonius zum Preis von 38 500 Mark wurde möglich, weil die Orgel in Wandsbek sich als zu groß erwies.
Der Transport aus dem Hamburger Stadtgebiet nach Papenburg, der Einbau, die Restauration und die Modernisierung kosteten weitere 76 000 Mark. Finanziert wurde der Kauf durch Spenden in Höhe von 50 000 Mark, Grundstücksverkäufen über 45 000 Mark und einen 20000-Mark-Zuschuss des Bischofs Helmut Hermann Wittler. Günther Müller, gebürtig aus Papenburg, übernahm als Orgelbauer der Firma Rudolf Speith, Rietberg (Westfalen) die Intonation. Sein Vater, Hauptlehrer Johannes Müller, war in den 1920er- und 1930er-Jahren Leiter des Kirchenchores St. Antonius und Organist in St. Michael.

Orgel 1974 geweiht
Das Instrument wurde am 7. September 1974 in Verbindung mit der Abendmesse von Pfarrer Leo Wallenhorst geweiht. Heinz Bemboom, langjähriger Organist und Leiter des Kirchenchores in St. Antonius, spielte als Erster das Instrument. In diesem und weiteren Gottesdiensten an jenem Wochenende wurde die Orgel vorgestellt.
Nach Meinung von Fachleuten werde sie bei einer entsprechenden Pflege noch 100 Jahre genutzt werden können, war damals in der Ems-Zeitung zu lesen. Seitens der Gemeinde sollten die Möglichkeiten der neuen Orgel voll ausgeschöpft und von Zeit zu Zeit auch Kirchenkonzerte veranstaltet werden, hieß es ergänzend von Pfarrer Wallenhorst und Organist Bemboom.
Bis dato war in der Kirche eine von Orgelbauer Randebrock aus Paderborn eingebaut, die an der Jahreswende 1885/86 installiert wurde und, so hieß es 1974, bereits seit Jahren kaum noch bespielbar gewesen war. Sie war die Nachfolgerin der ersten Orgel, die 1799 für die 1677 fertiggestellte erste Papenburger Kirche auf dem heutigen „Alten Kirchplatz“ hinter dem Hotel Kuhr von Pastor Anton Freerking angeschafft wurde und von 1877 bis 1885 im heutigen Gotteshaus in Tätigkeit war. Sie hatte ihren Platz auf der Bühne im linken Querschiff, wo künftig das Fernwerk installiert werden soll.
Ende der 1940er-Jahre wurde starker Holzwurmbefall sämtlicher Holzteile an der Randebrock-Orgel festgestellt, da infolge der Kriegseinwirkungen die nötigen Pflegemittel nicht vorhanden waren. Auch eine 1954/55 durchgeführte Generalüberholung konnte sie nicht mehr retten.

Der Papenburger Organist Ralf Stiewe (vorne) und Pfarrer Franz-Bernd Lanvermeyer zeigen den Spieltisch der Brand-Orgel, die in diesem Jahr aus der St.-Antonius-Kirche ausgebaut wird.

Fotos: Moormann/Döbber