"Totenruhe heißt nicht Totenstille" Bolzplatz am Friedhof sorgt in Papenburg für Diskussionen

Können die Befürchtungen nicht ganz nachvollziehen: Pfarrer Franz-Bernhard Lanvermeyer (links) und Kaplan Peter Winkeljohann. Foto: Christian BellingKönnen die Befürchtungen nicht ganz nachvollziehen: Pfarrer Franz-Bernhard Lanvermeyer (links) und Kaplan Peter Winkeljohann. Foto: Christian Belling
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Papenburg. Noch ist kein Ball auf dem neu angelegten Bolzplatz am Friedhof der St. Antoniuskirche in Papenburg gerollt, sorgt die Rasenfläche in der Kirchengemeinde für Diskussionen. Einige befürchten Lärm und Vandalismus, was Pfarrer und Kaplan nicht so ganz nachvollziehen können.

"Wir sind von den Bedenken wirklich überrascht", sagt Lanvermeyer bei einem Gespräch mit unserer Redaktion auf der anwachsenden Rasenfläche, die die Jugend der Pfarrei der St. Antonius Ende Mai im Rahmen der 72-Stunden-Aktion anlegte. "Vor allem haben wir deshalb nicht damit gerechnet, weil es bis vor drei Jahren immer einen Bolzplatz in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedhof gab", ergänzt der Pfarrer. Dieser lag zwischen Pfarrhaus und Friedhof und musste der neuen Kindertagesstätte St. Klara weichen. „Wo ist jetzt der große Unterschied?“, fragt der Geistliche.

„Es ist kein regelmäßiger Spielbetrieb vorgesehen und den Gruppen ist klar, dass bei einer Beerdigung dort Ruhe zu herrschen hat“Pfarrer Franz-Bernhard Lanvermeyer

In einem Schreiben an die Kirchengemeinde reagierte Lanvermeyer auf die herangetragenen Bedenken. „Die Sorge einiger Menschen über stete Unruhe und Krach am Friedhof kann ich verstehen. Ich glaube aber nicht, dass es so kommt“, so der Pfarrer. Nach seinen Worten wurde der Platz für Kinder- und Jugendgruppen der Pfarrei angelegt, die sich freitagsnachmittags und samstagsmorgens treffen. „Es ist kein regelmäßiger Spielbetrieb vorgesehen und den Gruppen ist klar, dass bei einer Beerdigung dort Ruhe zu herrschen hat“, betont Lanvermeyer. Das einzige Manko des neuen Platzes gegenüber des alten sei nach seinen Worten, dass die Jugendlichen auf dem Weg zum Bolzplatz nun über den Friedhof müssen.  

Die Jugend der Pfarrei der St. Antonius legte den Bolzplatz im Rahmen der 72-Stunden-Aktion Ende Mai an. Foto: Kirchengemeinde St. Antonius

Seit seinem Dienstantritt im vergangenen September sei an Kaplan Winkeljohann immer wieder von den Jugendlichen der Wunsch herangetragen worden, einen Bolzplatz zu errichten. „Mit der Realisierung während der 72-Stunden-Aktion wollten sie einfach etwas Gutes tun.“ Mit dem Kirchenvorstand sei dies im Vorfeld abgestimmt gewesen. Eine vorherige Information der Gemeindemitglieder sei nicht möglich gewesen, da die Aufgabe erst mit Beginn der Aktion öffentlich gemacht wurde.

 

Viele Grabplätze frei

Auf der Fläche, auf der der Bolzplatz angelegt wurde, sei laut Lanvermeyer ursprünglich eine Friedhofsnutzung vorgesehen gewesen. Aufgrund vieler freier Grabplätze auf dem eigentlichen Friedhof habe der Kirchenvorstand vor vier Jahren allerdings beschlossen, den Streifen neben der Nyblad-Werkhalle nicht weiter neu zu belegen. Aus diesem Grund wurde nach Angaben des Pfarrers auch eine Lebensbaumhecke hinter der letzten Urnengrabreihe gepflanzt.

 
Zwischen dem Friedhof und der Nyblad-Werkhalle wurde der neue Bolzplatz angelegt. Foto: Kirchengemeinde St. Antonius

Aus demselben Grund sei zudem entlang des Entwässerungsgrabens eine Buchenhecke angelegt worden. „Dieser mit Hecken eingefasste Bereich ist unser Friedhof“, erklärt Lanvermeyer. Das Ziel sei langfrisitg aufgrund der rund 150 freien Grabplätze, den eigentlichen Friedhofsbereich wieder zusammenzuführen.

Mit den Bedenkenträgern werde die Kirchengemeinde nach Mitteilung des Pfarrers nun den Austausch suchen. „Vieles klärt sich im Gespräch“, ist sich Lanvermeyer sicher. Er verweist aber auch darauf, dass ein bisschen Leben auf dem Friedhof gut sei. Totenruhe heißt nicht Totenstille und der Tod gehört zum Leben.“