Gemeinsam in die Tasten greifen beim Abschiedskonzert für die Brandt/Speith-Orgel in der St.-Antonius-Kirche am kommenden Sonntag Organisten der Pfarrei, darunter (v. l.) Georg Willen, Heinz-Günter Nee (hinten), Ralf Stiewe, Hermann-Josef Hoormann und Emanuel Heide.  Foto: Klaus Dieckmann

 

Alte Orgel in St. Antonius geht nach Polen

An diesem Sonntag Abschiedskonzert / Abbauarbeiten laufen in Kürze an

Von Klaus Dieckmann

Papenburg Mit einem Konzert am Sonntag, 28. April, um 17 Uhr verabschiedet die Pfarrei St. Antonius die Brandt/Speith-Orgel aus dem Untenender Gotteshaus. 45 Jahre erfüllte das Instrument mit seinem Klang die Pfarrkirche.

Regionalkantor Ralf Stiewe betrachtet das rund einstündige Abschiedskonzert als eine „Huldigung an die Orgel, die mehr als vier Jahrzehnte ihren Dienst in der St.-Antonius-Kirche getan hat“. Er kündigte einen würdigen musikalischen Abschied an. Gestaltet werde dieser mit Beiträgen von Organisten aus der Pfarrei.

In der Woche nach dem Weißen Sonntag soll der Ausbau des 62 Jahre alten Instruments anlaufen, um Raum für die Walcker-Orgel zu schaffen, die die Pfarrei von der Stadt Gelsenkirchen erworben hat. Für die Übergangszeit hat die Kirchengemeinde eine elektronische Ahlborn-Orgel angemietet.

 

Prospekt der Brandt/Speith-Orgel, die 45 Jahre in der St.-Antonius-Kirche erklang.
Foto: Klaus Dieckmann

Voraussichtlich bereits im Dezember könnten erste Teile des neuen Kircheninstruments in St. Antonius erklingen, berichtete Stiewe. Die Einweihung der komplett aufgebauten und intonierten Walcker-Orgel sei für Anfang des zweiten Quartals 2020 ins Auge gefasst.

Die Brandt/Speith-Orgel geht indessen in die rund 80.000 Einwohner zählende polnische Stadt Piotrków Trybunalski nahe Lodz. Die dortige Kirchengemeinde Heiligstes Herz Jesu hat das Instrument beim Wuppertaler Orgelhändler Ladach erworben, über den es die Pfarrei St. Antonius zum Kauf angeboten hatte. Die Orgel (Baujahr 1957) kam Anfang der 1970er-Jahre aus der St.-Joseph-Kirche in Hamburg-Wandsbek nach Papenburg. Ursprünglich gefertigt hatte sie die Firma Brandt in Quickborn. Für den Dienst in Papenburg wurde sie durch die Firma Speith in Rietberg (Westfalen) modernisiert und auf 26 Register erweitert.

Den Einweihungsgottesdienst am 7. September 1974 zelebrierte Pfarrer Leo Wallenhorst. Als erster Organist aus der Pfarrei ließ Heinz Bemboom das Instrument in einer Messfeier in der St.-Antonius-Kirche erklingen. „Wir wollen mit dem Abschiedskonzert gleichfalls an Heinz Bemboom und die anderen verdienten Organisten erinnern, die über viele Jahre zur musikalischen Gestaltung der Gottesdienste beigetragen haben“, sagte Organist Günter Siepker auch im Namen seiner Kollegen. Neben Bemboom nannte er unter anderem Maria Guhe, Hajo Büsing und Georg Diekmann. Zum derzeitigen Kreis der ehrenamtlichen Organisten zählen neben Siepker Heinz-Günter Nee, Wilfried Nee, Emanuel Heide, Georg Willen und Hermann-Josef Hoormann. Die Federführung der Kirchenmusik liegt in den Händen von Regionalkantor Stiewe.

Nach dessen Worten soll nach dem Ausbau der Brandt/Speith-Orgel und vorbereitenden baulichen Maßnahmen Anfang Herbst die technische Montage der Walcker-Orgel anlaufen. Das monumentale Instrument (Baujahr 1927) mit 98 Registern und 7262 Pfeifen wurde bis Anfang des Jahrhunderts im Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen bespielt. Nach einer umfassenden Restaurierung hatte es die Stadt im Jahr 2007 bei der Orgelbaufirma Seifert in Kevelaer eingelagert. Unter deren Regie läuft auch der Einbau und die Intonation der Walcker-Orgel in die St.-Antonius-Kirche.