Eine Chance für das neue Jahr


Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer.Foto: Carsten van Bevern

Ems Zeitung,  Moment mal,  6.1.2018

Von Franz Bernhard Lanvermeyer

Ein Professor überrascht seine Klasse mit einem Test. Die Aufgabe: Die Studenten sollen schreiben, was sie auf dem Papier sehen. Als die Studenten das Blatt umdrehen, sehen sie einen schwarzen Punkt in der Mitte des weißen Blattes Papiers.
Am Ende der Stunde sammelt der Professor die Antworten ein und beginnt, sie laut vorzulesen. Alle Studenten – ohne Ausnahme – schreiben über den schwarzen Punkt, über seine Größe, Farbe und Durchmesser. Dann bemerkt der Professor: „Keiner von euch hat über den weißen Raum auf dem Papier geschrieben. Jeder konzentriert sich auf den schwarzen Punkt.“
Diese kleine Geschichte bekam ich zu Weihnachten geschenkt. Und sie kommt mir wieder in den Sinn, jetzt, wo die Weihnachtszeit zu Ende ist und der Alltag mit der Schule und der Arbeit in dieser Woche wieder begonnen hat. Was sucht und findet meine Aufmerksamkeit? Bin ich Herr im eigenen Haus, das ich dem meine Aufmerksamkeit schenke, was mir wichtig ist? Oder ist mein Blick ‚geführt‘ und ‚gelenkt‘ von den vielen Dingen, die alle für wichtig halten?
Ein neues Jahr – ein unbeschriebenes weißes Blatt? Sicher nicht. Ein gelebtes Leben steht dahinter, und bei null kann keiner anfangen. Aber auf diesem weißen Blatt die Möglichkeit zu sehen, eigene Eintragungen vorzunehmen, eine Chance für das neue Jahr.
Jesus sucht im Lauf seines Lebens immer wieder nach neuen Perspektiven für das Leben, gerade bei Menschen, die in Sackgassen gelandet sind. Er freut sich über den neuen und anderen Blick, der Leben zulässt – jenseits der gewohnten Perspektiven.